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Verändert sich Freundschaft?

Aus meiner persönlichen Beobachtung heraus habe ich für mich festgestellt, dass sich Freundschaft im Laufe des Lebens verändert. Nun habe ich fast 4 Jahrzehnte auf dem Buckel und behaupte, dass meine Schulfreundschaften und meine Freundschaften in den Zwenties anders war als die heutigen Freundschaften.

In der Schule und vielleicht auch noch in der Ausbildung habe ich meine Freunde sehr oft gesehen, man hat vieles gemeinsam unternommen, über vieles geredet und philosophiert. Da man sich oft täglich oder mehrmals die Woche sah und dadurch auch im Alltagsleben des Anderen mit eingebunden war, erkannte man auch sofort, wenn es dem anderen schlecht ging. Man hat einfach mehr miteinander gelebt und die Freundschaft hatte einen hohen Stellenwert.

Heute ist das anders. Meine Freunde sind "erwachsen" geworden, heißt, sie haben (Ehe-)Partner und Kinder, beruflichen und familiären Stress und sind sehr auf sich selbst bezogen. Das eigene Leben nimmt zuviel Raum ein und die Prioritäten haben sich verschoben. Natürlich steht die Familie an erster Stelle. Und bei den Freundschaften werden gerne diejenigen gepflegt, die ein ähnliches Sozialgefüge habe. Man sieht sich höchstens einmal die Woche, meistens noch weniger. Wie sich der einzelne fühlt und was er denkt, bekommt man nicht mehr mit - es sei denn, der andere teilt sich mit. Durch das Alltagsleben und die hohen Anforderungen, die diese mit sich bringen, wird es schwerer, die Gefühle und das Wohlbefinden des anderen herauszufinden. Probleme bleiben meistens "im Haus", es wird immer weniger intensiv geredet und eher nach lustigen gesellschaftlichen Ablenkungen gesucht. 

Das verändert die Freundschaft, macht sie unter Umständen oberflächlicher. Und auch schwieriger in der Umsetzung.

Hatte man ein Problem, so konnte man früher zu jeder Tages- und Nachtzeit anrufen, manchmal traf man sich sogar mitten in der Nacht. Heute ist das nicht mehr möglich. Heute ist das schwieriger geworden, die Kinder müssen versorgt werden, man muss arbeiten gehen oder hat andere Dinge zu erledigen... man ist gezwungen, einen Termin mit dem Freund auszumachen. Spontan vorbeizukommen, um zu reden oder zu helfen, ist oft nicht mehr möglich.

Als Single finde ich es zum Teil noch schwieriger, da kein Partner da ist, mit dem man seine täglichen Sorgen teilen kann, kein Partner, der einen einfach mal in den Arm nimmt und tröstet. Für Trost und Zuspruch oder auch einfach nur für ein intensives Gespräch muss ich mir erst jemanden suchen, der Zeit hat und mir auch zuhören möchte. Immer öfter denke ich: "Hilf dir lieber selbst", dann bist du auch von niemanden abhängig. Und wenn jemand da ist, der dir zuhört, dann freu dich. Denn das wird immer seltener.

Die Prioritäten ändern sich eben. So ist wohl das Leben.

Nickname 23.05.2007, 10.08

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Kommentare zu diesem Beitrag

4. von Karin

"Wie sich der einzelne fühlt und was er denkt, bekommt man nicht mehr mit - es sei denn, der andere teilt sich mit."
Ich denke, dieser Aspekt hängt nicht unbedingt nur von der Lebensphase ab, sondern auch vom Menschen. Als ich beispielsweise noch zur Schule ging, habe ich auch oft so empfunden. Nun gut, das hing damals auch damit zusammen, dass ich ohnehin eher ein ruhiger Mensch war - ich hatte es mir damals also gewissermaßen selbst zuzuschreiben.

Im Grunde kann ich Dir aber zustimmen, dass Freundschaften sich verändern, und dass Dinge wie oben beschrieben eine Folge dessen ist, dass man nicht mehr immer Zeit hat und sich das Leben häufig immer mehr innerhalb der eigenen vier Wände (auch symbolisch, in Form von Familie zum Beispiel, oder die Kollegen im Büro) abspielt.
Das ist nun mal so.

Andererseits ist es aber auch oftmals so, dass sich dieses "keine Zeit haben" heutzutage immer mehr auch in den privaten Bereich erstreckt. Man hat seine Hobbies, möchte sich selbst verwirklichen und all das tun, wozu im Alltag keine Gelegenheit bleibt, undundund...
Nur für die Freunde bleibt keine Zeit. Schade.
(Ich persönlich halte das nicht so - aber viele Menschen leben halt so. Es scheint ein Phänomen dieser Zeit zu sein.)
:invasion:

vom 25.05.2007, 02.23
Antwort von Nickname:

Sicherlich ist das Charakterabhängig, ob jemand eher introvertiert oder extrovertiert ist. Doch unabhängig davon werden intensive Gespräche irgendwie immer weniger. Finde ich sehr schade.
3. von Consuela

Hallo!

Ein sehr schöner Beitrag. Ich habe vor ein paar Tagen genau zu diesem Thema gebloggt. Da betraf es mich direkt und meine beste Freundin. Und genau das mit den Prioritäten habe ich auch erwähnt. Schön,dass es mir nicht allein in diesen Tagen so geht.

Viele Grüße, Consuela

vom 24.05.2007, 15.38
Antwort von Nickname:

Schön und gleichzeit auch schade, dass ich das nicht alleine empfinde.
Es verändert sich eben im Laufe der Zeit alles, anscheinend auch Freundschaften.

2. von Edith T.

Freundschaften verändern sich - denn im Laufe unseres Lebens ändern wir uns ja auch.
Für mich ist es ganz normal, dass es auch Freundschaften gibt, die nur über einen begrenzten Zeitraum bestehen - durchaus auch sehr intensiv.
Mir ist das schon mehrmals so gegangen:
die Lebensumstände ändern sich, damit zwangsläufig auch das soziale Umfeld.
Freundschaften schlafen ein, dafür bilden sich neue.
Allerdings habe ich auch etwas ganz Besonderes. Das ist meine Freundin, die ich schon von Geburt an habe und die mir im Laufe des Lebens immer wichtiger geworden ist.
Aber auch wir zwei hatten uns schon mal über ein paar Jahre so ziemlich aus den Augen verloren.
Umso mehr wissen wir beide unsere "lebenslängliche" Freundschaft zu schätzen!

Liebe Grüße, Edith

vom 23.05.2007, 14.14
Antwort von Nickname:

Das habe ich auch, dass ich Freunde im Laufe einer gewissen Zeit hatte und sich dann die Lebenswege getrennt haben. Obwohl ich noch an den einen oder anderen des öfteren denke....
So eine langjährige Freundin seit der Schulzeit habe ich nicht, aber zwei aus der Ausbildungszeit. Wenn man viel gemeinsam erlebt hat, schweißt das auch zusammen. Leider sehen wir uns auch nicht mehr so oft (früher haben wir teilweise sogar täglich telefoniert). Die Art der Freundschaft hat sich leider verändert.

1. von Birgit

wirklich spontane Besuche sind bei uns auch deshalb selten, weil wir in alle Himmelsrichtungen verstreut sind.

Wie gute Freunde ich habe, habe ich gerade wieder zu schätzen gelernt. Ich mußte akut und unvorbereitet ins Krankenhaus, war 100 km weg von daheim und hier hat sich ein "Netzwerk" gebildet, das sich liebevoll um meinen Sohn kümmerte (der zwar schon zwanzig ist, aber gerade im Abi steckt und sich sehr um mich sorgte). Eine schöne und beruhigende Erfahrung.

LG
Birgit

vom 23.05.2007, 11.11
Antwort von Nickname:

Stimmt. Zum Teil haben sich Freundschaften auch durch Umzüge verringert.
Wahre Freunde erkennt man meistens erst dann, wenn man sie braucht. Aber auch da erlebt man immer wieder Überraschungen.
Schön, dass deine Freunde sofort aktiv wurden.

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