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Thema: *Gelesen / Gehört*

Grimms Morde von Tanja Kinkel

Der neue historische Roman der Spiegel-Bestsellerautorin Tanja Kinkel führt zurück in das neunzehnte Jahrhundert und verbindet märchenhaftes Setting und historische Spannung mit einer grausamen Mordserie. Rot wie Blut… 
Kassel, 1821: Die ehemalige Mätresse des Landesfürsten wird nach Märchenart bestialisch ermordet. Die einzigen Indizien weisen ausgerechnet auf die Gebrüder Grimm. Weil die Polizei nicht in Adelskreisen ermitteln kann, die sich lieber Bericht erstatten lassen, anstatt Fragen zu beantworten, kommen den Grimms Jenny und Annette von Droste-Hülshoff zur Hilfe. Ein Zitat aus einer der Geschichten, welche die Schwestern zur Märchensammlung der Grimms beigetragen hatten, war bei der Leiche gefunden worden. Bei ihrer Suche müssen sich die vier aber auch ihrer Vergangenheit stellen: Vorurteilen, Zuneigung, Liebe – und Hass, und diese Aufgabe ist nicht weniger schwierig. In einer Zeit, wo am Theater in Kassel ein Beifallsverbot erteilt wird, damit Stücke nicht politisch missbraucht werden können, Zensur und Überwachung in deutschen Fürstentümern wieder Einzug halten und von Frauen nur Unterordnung erwartet wird, sind Herz und Verstand gefragt. 
Geschickt verwebt Tanja Kinkel die privaten Verwicklungen von zwei der berühmtesten Geschwisterpaare der deutschen Literaturgeschichte in ein unglaubliches Verbrechen. Ein Mordsbuch.

480 Seiten, Droemer HC, LINK zu Amazon


Grimms Morde ist ein gut recherchierter historischer Krimi, der sehr anschaulich die Gesellschaft im 19. Jahrhundert nach der französischen Revolution aufzeigt. Besonders die Stellung der Frau in dieser Zeit wird hier gut herausgearbeitet. Der eigentliche Mordfall, der Bezug zu einem der Märchen hat, wird schnell zur Nebensache. Das heimliche Highlight in diesem Buch sind die sehr facettenreichen Charaktere und die Beziehungen der Familienmitglieder untereinander. Besonders die Charaktere von Jakob Grimm und Annette von Droste-Hülshoff, die zu dieser Zeit eine eher moderne und emanzipierte Frau repräsentiert, sind sehr prägnant und stark herausgearbeitet. Vieles basiert auch auf tatsächlichen Begebenheiten. Das Nachwort, indem man erfährt, was Tatsache und was Fiktion ist, lohnt sich dabei auf jeden Fall zu lesen, wenn man sich mit der Geschichte der Grimms und Drostes auseinandersetzen möchte. Die Dialoge zwischen den Protagonisten sind sehr unterhaltsam und anspruchsvoll und machen richtig Spaß beim Lesen. Überhaupt ist die Sprache auf einem sehr hohen Niveau und daher ist es kein Buch zum einfach herunterlesen.

Der eigentliche Kriminalfall gerät eher in den Hintergrund, auch wenn während des Buches die Geschwisterpaare gemeinsam ermitteln und versuchen, den Mörder zu finden. Als Leserin interessierte mich zeitweise gar nicht mehr, wer denn eigentlich der Mörder ist. 
Als Krimi fand ich diesen Roman nicht ganz so spannend, auch wenn man als Leser bis zum Ende im Dunkeln tappt. Die eigentliche Auflösung kommt dann sehr plötzlich daher. Da hätte ich mir noch ein wenig mehr Raum gewünscht, auch wenn das Schlussszenario schon sehr spektakulär ist.
Tatsächlich war während des Lesens der Vorfall in Bökendorf, wo Annette das Opfer einer Intrige wurde, für mich am spannendsten. 

In der Gesamtheit betrachtet ist das ein äußerst interessanter Roman mit einer wunderbaren Sprache und spannenden Figuren.



Nickname 07.11.2017, 15.35 | (3/0) Kommentare (RSS) | PL

Silberflamme von Bernhard Hennen und Robert Corvus

4. Teil der Phileasson-Saga
Der Wettkampf der rivalisierenden Kapitäne Phileasson und Beorn führt die beiden dieses Mal auf die Spur eines Helden, dessen Ruhm die Jahrhunderte überdauerte. Doch der Fluch eines alten Unrechts wirft seinen Schatten bis in die Gegenwart. Als der Wettlauf um die Silberflamme – ein geheimnisumwittertes, hochelfisches Artefakt – beginnt, wird beiden Kapitänen klar, dass kalter Stahl und Kriegermut versagen, wenn die Geister der Toten die Vergangenheit hüten ...

688 Seiten, Heyne-Verlag, LINK zu Amazon

Internetseite zu der Phileasson-Saga: LINK  



Weiter geht es in der Phileasson-Saga mit der Wettfahrt um den Titel „
König der Meere“ zwischen Beorn, dem Blender und Asleif Phileasson. Das 4. Abenteuer dreht sich um die Silberflamme. Diesmal kann nur einer den Punkt holen. Dadurch entwickelt sich die Geschichte zu einer spannenden Wettfahrt. Wer wird als erster hinter das Rätsel der Silberflamme kommen, wer wird es als erster finden? Und wie auch in den vorherigen Bänden gehen beide Wettstreiter äußerst unterschiedlich mit dieser Aufgabe um. Als Leser ist das sehr spannend zu verfolgen und die ganze Zeit fragt man sich, wann die beiden Protagonisten aufeinandertreffen und wie sie aufeinander reagieren werden. Während der Suche gibt es natürlich für beide Ottajaskos wieder kleinere Abenteuer und Rätsel zu bestehen. Man begegnet neuen Figuren und Gestalten, die schon bekannten Personen entwickeln sich weiter und zeigen neue Facetten. Auch hier sind die beiden Autoren für Überraschungen gut. Man kann sich einer Figur niemals sicher sein. Ein anfänglicher Liebling kann in Ungnade fallen, eine bis dato verhasste Person entwickelt beim Leser plötzlich Mitgefühl. Und ob alle Figuren dieses Abenteuer überleben, ist immer fraglich. Diese facettenreichen Darstellung und liebevolle Führung jeder einzelnen Figur macht diese Saga auch so besonders. Es wird so nie langweilig und die Figuren wirken sehr authentisch. Die zu bereisenden Orte bzw. Schauplätze haben alle eine andere Atmosphäre, die unglaublich gut vermittelt wird und man das Gefühl hat, beispielsweise selbst im Sumpf zu stehen. Auch das ist einer der Stärken der Autoren, den Leser direkt einzufangen und mitzunehmen. Wie es sich für eine Wettfahrt gehört, wird es natürlich am Ende nochmal so richtig spannend.
Ein kleiner Wehmutstropfen bei diesem Band ist für mich der Prolog. Die Prologe in diesen Bänden erzählen jedes Mal eine Geschichte von einer der Figuren, die während des aktuellen Bandes eine Rolle spielen werden. Meist weiß man beim Lesen noch nicht genau, wohin die Reise geht, erschließt sich aber in den meisten Fällen während der Lektüre oder am Ende. Diesmal bin ich allerdings mit den Figuren nicht warm geworden, der Prolog plätscherte ein wenig vor sich hin. Sicherlich war er wichtig für die Geschichte, doch für mich war er der bisher schwächste Prolog in dieser Serie, soweit man überhaupt von Schwäche sprechen kann. Denn diese Saga bewegt sich in meinen Augen auf einem sehr hohen Niveau und ich kann sie jedem Fantasy-Liebhaber nur wärmstens empfehlen. Hier kommt wirklich jeder auf seine Kosten und es ist für jeden Geschmack etwas dabei. 
Für die Phileasson-Saga lasse ich Games of Thrones im Regal stehen. Das wohl! 




Die Phileasson-Saga:
  • Nordwärts

    Band 1

    *5

    LINK

  • Himmelsturm

    Band 2

    *4-5

    LINK

  • Die Wölfin

    Band 3

    *4-5

    LINK

  • Silberflamme

    Band 4

    *4

    LINK

 

Nickname 30.10.2017, 00.00 | (0/0) Kommentare | PL

Hartmann und der böse Wolf von Michael Frey Dodillet

Hartmann, Ex-Kommissar und Privatdetektiv wider Willen, soll Hundetrainer Bert Wolf unter die Lupe nehmen. Der hat seit der Eröffnung seiner Nobel-Hundeschule "Alpha Wolf" nicht nur einen Berg Schulden, sondern auch sonst viel Dreck am Stecken. Aber dann liegt Wolf eines Tages ziemlich tot im Wald. Das Rudel der Verdächtigen ist groß. Zusammen mit Gitte-Bruno ermittelt Hartmann undercover in der illustren Welt der Hundefreunde - und stößt auf windige Machenschaften, verschrobene Trainer und bissige Frauchen aus der Schickeria -.

335 Seiten, Bastei-Lübbe-Verlag, LINK zu Amazon


Gitte-Bruno ist eine Hündin, den sich Ex-Kommissar Hartmann extra für seine Undercover-Ermittlungen aus dem Tierheim ausgeliehen hat und die heimliche Heldin in diesem Buch. Denn sie hat eindeutig ihren eigenen Kopf. Hartmann allerdings auch, der nicht viel von konventionellen Ermittlungen hält, auch mal über die Stränge schlägt und einen Dauerstreit mit seinem baufreudigen Nachbarn am Leben erhält. Gleichzeitig taucht er tief in die Welt der Hundebesitzer und Hundeschulen ein und lernt dort sehr interessante und auch skurile Menschen kennen. Zunächst auch Bert Wolf, bis er tot im Wald gefunden wird.
Der ganze Krimi liest sich sehr flüssig, die Vorgehensweise ist schlüssig und humorvoll erzählt. Ein Ermittler mit Ecken und Kanten, der durchaus sympathisch rüber kommt. Ich habe mich bei dem Buch sehr gut amüsiert und unterhalten gefühlt und tappte bis zuletzt im Dunkeln, wer den nun der Täter oder die Täterin ist. Zum Schluss wirkte eine Szene etwas konstruiert, um den Fall aufzuklären, was für mich aber nicht weiter schlimm war. Ein wunderbares schnell zu lesendes Buch für Zwischendurch, besonders für Hundeliebhaber.

Dies ist der erste Fall von Hartmann, weitere sollen aber folgen. 


Nickname 06.10.2017, 00.00 | (0/0) Kommentare | PL

Der Verstand ist ein durchtriebener Schuft von Guido Eckert

DER ERSTE RATGEBER DER ZEIGT, DASS WEISHEIT ERLERNBAR IST

Eine weit verbreitete Ansicht über die Weisheit geht davon aus, dass Weisheit etwas sei, das sich zwar mühsam, aber ganz automatisch mit zunehmendem Alter einstelle. Diese Ansicht ist in zweierlei Hinsicht falsch.

Zum einen ist nicht jeder Greis zwangsläufig weise. Zum anderen lässt sich Weisheit durchaus kultivieren und auch schon in jüngeren Jahren praktizieren. Und um diese Praxis geht es in dem neuen Buch von Guido Eckert. Es lehrt Weisheit. Es zeigt konkret, welche Blockaden im Denken gelöst werden müssen, um weise zu werden. In zehn Schritten. Für jeden Bildungsgrad, ohne Vorkenntnisse.
In 10 Schritten lernt man beispielsweise ganz konkret,
• wie man tatsächlich in der Gegenwart leben kann
• wie man endlich mit seinem Unverstehen besser umgeht
• wie man sich wirklich aussöhnt mit seinen Verletzungen
• wie man richtig hingebungsvoll ist und das eigene Ich vergisst
• wie man endgültig loslässt und mit sich selbst in Frieden lebt
• wie man unglaubliche Potentiale in sich erweckt
Kurz: Eine praktische Anleitung, wie man dem durchtriebenen Verstand seine Grenzen aufzeigt, wenn er es mal wieder übertreibt. Jedes Kapitel pustet das Hirn frei und dient dem Weg zur Weisheit. – Geht das? Und ob!

256 Seiten, Solibro-Verlag, LINK zu Amazon


Ob Weisheit wirklich so erlernbar ist, weiß ich nicht. Aber sicherlich liefert dieses Buch eine interessante Zusammenfassung sämtlicher Weisheitsbücher, alltagstauglich und verständlich dargestellt. Natürlich ist man nicht weiser, wenn man dieses Buch gelesen hat, aber ein wenig klüger. Und man muss die unzähligen anderen Bücher nicht mehr lesen. Das hat ja Guido Eckert schon für uns getan. Manche Themen sind ein wenig schwerfälliger zu lesen, andere dagegen sehr humorvoll. Es lohnt sich aber. Einiges weiß man schon aus anderer Lektüre, anderes ist neu oder auf neue Art und Weise formuliert, so dass es durchaus den einen oder anderen Aha-Effekt geben könnte. Für mich war das durchaus eine interessante und inspirierende Lektüre, auch wenn ich jetzt kein Stück weiser bin. Aber mein Verstand ist auch ganz schön durchtrieben.



Nickname 03.10.2017, 00.00 | (0/0) Kommentare | PL

Laufen. Essen. Schlafen. von Christine Thürmer

Als Christine Thürmer gekündigt wird, beschließt sie, sich eine Auszeit zu nehmen und auf dem Pacific Crest Trail von Mexiko nach Kanada zu wandern – 4277 Kilometer. Eigentlich unsportlich und ohne Erfahrung bricht sie zu ihrem Abenteuer auf und schafft es tatsächlich bis ans Ziel. Und sie wandert weiter, läuft 2007 den Continental Divide Trail und 2008 den Appalachian Trail. Aus der gewissenhaften Geschäftsfrau wird eine Langstreckenwanderin, die fast ununterbrochen draußen unterwegs ist – zu Fuß, per Fahrrad oder Boot. Anschaulich und humorvoll beschreibt Christine Thürmer die Geschichte ihrer inneren Suche, ihre Erlebnisse und landschaftlichen Eindrücke auf den drei großen Trails und wie es ist, als Frau allein unterwegs zu sein.

288 Seiten, Malik Verlag, LINK zu Amazon



Dieses Buch beschreibt in einer unterhaltsamen, aber einfachen Art und Weise, wie eine Frau die drei Trails durch Amerika durchläuft. Man lernt ein wenig von der Autorin kennen, doch bleibt sie meistens an der Oberfläche. Als Nichtwanderin kenne ich mich mit den Qualen des Wanderns nicht aus und hätte da eventuell ein wenig mehr Beschreibung erwartet. Ich persönlich kann mir nicht vorstellen, kilometerweit mit nassen Schuhen und Socken zu wandern und bis zur Unterkühlung zu frieren. Ich hätte es spannender gefunden, wenn die Autorin mehr beschrieben hätte, wie sich das anfühlt, was man dabei denkt, denkt man überhaupt noch dran? Ihre Beschreibungen sind da leider eher oberflächlich und konzentrieren sich mehr auf ihre Begleiter, Bekanntschaften oder alltäglichen Erzählungen. Trotzdem sind natürlich einige Dinge ganz interessant zu lesen, einiges wiederholt sich ein paar mal, z. B. die Essensbeschaffung und -einteilung. Für jemanden wie mich, der sich auf diesem Gebiet gar nicht auskennt, ein interessanter Einblick in diese Welt. Diejenigen, die sich mehr Informationen und/oder Gefühle erhoffen, werden wohl eher enttäuscht sein.



Nickname 13.09.2017, 00.00 | (2/2) Kommentare (RSS) | PL

Kein guter Ort von Bernhard Stäber

Der Psychologe Arne Eriksen lebt und arbeitet in der Nähe der Rabenschlucht, an der es vor 10 Jahren in dem dortigen Hotel zu einer Familientragödie und zwei Todesfällen kam. Die Ermittlerin Kari Bergland, die in Bergen wohnt, vermittelt dem Psychologen die Tochter ihres Chef, Janne Nygard, für eine Drogentherapie. Janne ist fasziniert von dem 10 Jahre alten Fall und bringt durch ihre Neugierde die Nachforschungen an diesem Fall ins Rollen, deren Faszination sich keiner entziehen kann.

Bastei Lübbe, 448 Seiten, LINK zu Amazon




"Kein guter Ort" ist bereits der dritte Fall von Psychologe Arne Eriksen. Ein 10 Jahre alter Mordfall beschäftigt ihn und die eher durchgeknallte Janne. Die Charakter sind spannend beschrieben, besonders Arne und sein Hund Kugland erhalten sofort Sympathiepunkte und man fiebert direkt mit. Janne ist eher ein zwiespältiger Charakter, den man mögen kann, aber nicht muss. Karie Bergland, die Ermittlerin aus Bergen, bleibt in diesem Fall eher blass und spielt nur eine Nebenfigur, wenn auch keine unwichtige. Die Geschichte ist spannend erzählt, man weiß lange nicht, ob es sich nur um den alten Mordfall geht oder ob es bald einen neuen Mord gibt. Kurios, spannend und mysteriös ist das allemal.  Der flüssige Schreibstil führt dazu, dass man den Krimi am liebsten in einem Rutsch auslesen möchte.
Gute und spannende Unterhaltung. Vorkenntnisse zu den beiden vorhergehenden Bänden sind nicht erforderlich, könnten aber eine andere Wirkung auf das Buch haben, da man mehr Hintergrundinformationen über Arne hat und als Leser eventuell einiges anders bewertet.



1. Fall: Vaters unbekanntes Land
2. Fall: Kalt wie Nordlicht

Nickname 29.08.2017, 03.00 | (0/0) Kommentare | PL

Ich stelle fest, ich bin einzig

Warum ließ Perserkönig Xerxes das Meer auspeitschen? Was hielt Adenauer von der Mona Lisa? Und warum wollte Kaiser Wilhelm II. nicht "beleckt" und "beklopft" werden? Klatsch und Tratsch, Gescheites und weniger Gescheites von den Großen und Mächtigen der Weltgeschichte in unterhaltsamen Anekdoten: peinliche Schnitzer, verbale Entgleisungen, Fettnäpfchen und der tägliche Eitelkeitswahnsinn zwischen Feldherrenzelt und Rednerpult - von Alexander dem Großen bis Angela Merkel, von Mao Zedong bis George Bush.

231 Seiten, Reclam, LINK zu Amazon


Dies ist eine Ansammlung von kleinen, feinen Anekdoten diverser Berühmtheiten aus der Vergangenheit und Gegenwart. Kein Buch zum runterlesen, deshalb habe ich auch einige Jahre gebraucht, bis ich nun die letzte Anekdote gelesen habe. Für mich war das eine kleine Nachtlektüre kurz vor dem Schlafengehen. Nebenbei lernt man noch das eine oder andere aus der Geschichte. Die Auswahl der Anekdoten ist sehr gemischt. 1/3 davon fand ich sehr lustig, 1/3 davon fand ich ganz interessant, 1/3 davon eher langweilig. Trotzdem ein kleines nettes Buch für Zwischendurch.

Ein Beispiel einer meiner Lieblingsanekdoten:
Zitat: "Eine Frau warf Winston Churchill (1874-1965) bei einer Party vor: "Sie sind ja betrunken", worauf Churchill entgegnete: "Und sie sind hässlich. Aber ich bin morgen wieder nüchtern". ....
Die gleiche Lady sagte wiederum zu Churchill: "Wenn sie mein Mann wären, würde ich Ihren Kaffee vergiften!"-"Wenn Sie meine Frau wären", gab Churchill zurück,"würde ich ihn trinken.""



Nickname 24.08.2017, 11.55 | (0/0) Kommentare | PL

Die Schwertfeuer-Saga Teil III: Grünes Gold von Robert Corvus



Arzulans Urwald ist Heimat von Legenden. Einige davon sind ebenso gefährlich wie die flammenden Herzen der Dämonen, denen die Söldner Rorgators huldigen. Die Baronie Klataal holt Jade aus den grünen Schatten der Bäume – doch auch anderes … Ist sie dabei zu weit gegangen? Das Geheul der Waldstämme weckt mythische Schrecken. Grenzsiedlungen brennen. Die besten Krieger der Welt werden angeheuert, um die Wilden zurückzuschlagen. Doch der Schutz der Baronie ist nur ein Teil des Kontrakts, den die Kampfherren des Klingenrauschs mit ihrem Blut siegeln. Gefangene erzählen vom Herzen des Waldes und Söldner senden Spähtrupps aus. Sie wollen dieses dunkle Wunder finden – und den Stahl ihrer Klingen hineinstoßen …

Piper-Verlag, 443 Seiten, LINK zu Amazon


3. und letzter Teil der Schwertfeuer-Saga von Robert Corvus um Eivora, Gonter und Fiafila mit Zeichnungen von Timo Kümmel

Nach Band 1 "Rotes Gold" und Band 2 "Weißes Gold" findet in "Grünes Gold" die Schwertfeuer-Saga ihren goldenen Abschluss. Und goldend war dieser allemal.

Die drei Hauptfiguren Söldnerin Eivora, Prinz Gonter und Avatar Fiafila-Ignuto, die wir seit Band 1 kennen, gehen auch bei ihrem dritten Kontrakt furchtlos und zielgerichtet ihren Weg und entwickeln sich dabei stetig weiter. Bei allen drei Hauptfiguren kann man als Leser die innere Zerrissenheit, den Wandel und die Gedankengänge bildlich nachvollziehen, die sie letztendlich zu dem machen, was sie sind: unglaublich starke Persönlichkeiten.
Alle Figuren, besonders auch die Nebenfiguren, sind lebendig erzählt mit prägenden Charakterzügen und außergewöhnlichen Merkmalen, die durchaus polarisieren können und man nicht immer weiß, ob man nun mit der Figur mitfiebert oder sie verfluchen soll. Genau diese Stärke des Autors, die Figuren so real und prägnant zu beschreiben, lässt einen in die Geschichte völlig eintauchen, so als würde man selbst mitkämpfen.

Die Geschichte selbst ist genau nach meinem Geschmack. Arrogante Adlige, abergläubige Dorfbewohner, kriegerische Wilde rund um einen abenteuerlichen Urwald, gespickt mit Magie, zwischenmenschlichen Auseinandersetzungen, starke Kampfszenen, taktische Handlungen, Lügen, Intrigen und Machtkämpfen und auch ein wenig Liebelei ist eine spannende unterhaltsame Mischung, in der es keine Minute Langeweile gibt. Tatsächlich kommt man als Leser kaum zur Ruhe, man wird völlig in den Sog des Kontraktes gezogen und immer wieder mit ungeahnten Wendungen, neuen starken Figuren oder Gegebenheiten überrascht, indem man den Atem beim Lesen anhält. Das große Finale ist dann natürlich auch spektakulär und man legt den letzten Band mit einem tiefen, aber befriedigten Seufzer zur Seite.

Eine Trilogie, bei der man wahrhaftig nicht zart besaitet sein darf und man eine Neigung zur Dark Fantasy haben muss. Dann aber erhält man absoluten Lesegenuss. Untermalt ist dieser Lesegenuss mit Zeichnungen von Timo Kümmel, die mir sehr gut gefallen.

Empfehlenswert ist es, nicht nur die Vorgängerbände zu lesen, sondern auch die Novelle "Söldnergold", in der man eine vierte sehr starke Figur kennen lernt, die im dritten Teil eine wichtige Rolle spielt.




Die Schwertfeuer-Saga:
Band 1: Rotes Gold
Novelle Söldnergold
Band 2: Weißes Gold
Band 3: Grünes Gold

Nickname 19.08.2017, 17.42 | (0/0) Kommentare | PL

fremd von Poznanski und Strobel

Vertrau oder stirb
Stell dir vor, du bist allein zu Haus. Plötzlich steht ein Mann vor dir. Er behauptet, dein Lebensgefährte zu sein. Aber du hast keine Ahnung, wer er ist. Und nichts in deinem Zuhause deutet darauf hin, dass jemand bei dir wohnt. Er redet auf dich ein, dass du doch bitte zur Vernunft kommen sollst. Du hast Angst. Und du verspürst diesen unwiderstehlichen Drang, dich zu wehren. Ein Messer zu nehmen. Bist du verrückt geworden? 
Stell dir vor, du kommst nach Hause, und deine Frau erkennt dich nicht. Sie hält dich für einen Einbrecher. Schlimmer noch, für einen Vergewaltiger. Dabei willst du sie doch nur beschützen. Aber sie wehrt sich. Behauptet, dich niemals zuvor gesehen zu haben. Sie hält dich offensichtlich für verrückt. Bist du es womöglich?
Eine Frau. Ein Mann. Je mehr sie die Situation zu verstehen versuchen, desto verwirrender wird sie. Bald müssen sie erkennen, dass sie in Gefahr sind. In tödlicher Gefahr. Und es gibt nur eine Rettung: Sie müssen einander vertrauen...
Das Traumpaar des deutschen Thrillers: Zwei Starautoren. Zwei Perspektiven. Ein grandioser Thriller.

393 Seiten, rororo-Verlag, LINK zu Amazon


Zu Beginn erahnte ich schon, wer oder was in etwa dahinterstecken könnte. Ich wurde auch nicht enttäuscht. Die Geschichte wird abwechselnd in der Ich-Form der beiden Perspektiven von Joanna und Erik erzählt, so dass man lange nicht sicher ist, wer hier nun auf der falschen Spur ist und wer wen was vorgaukelt. Das ist eine spannende Vorgehensweise und hat mir gut gefallen. Als Leser weiß man trotzdem nie, wie sich nun die Geschichte weiter entwickelt. Da gab es ein paar unvorhersehbare Dinge, die eine gewisse Spannung erzeugten. Es endet mit einem großen Showdown à lá Hollywood, ein paar Fragen werden auch beantwortet. Das hat mich als Leserin allerdings nicht ganz so zufriedengestellt. Das kam mir sehr konstruiert vor und einige Fragen blieben meiner Meinung nach offen bzw. hätte ich gerne mehr von gelesen. Vom Unterhaltungswert ist es durchaus solide Kost. Poznanski und Strobel können aber mehr.


Nickname 09.08.2017, 20.00 | (2/0) Kommentare (RSS) | PL

Die Reise mit der gestohlenen Bibliothek von David Whitehouse

Bobby Nusku fristet seine Tage damit, Haare, Kleidungsstücke und weitere Spuren seiner verschwundenen Mutter zu sammeln und zu archivieren. Er fühlt sich im Haus seines grobschlächtigen Vaters und dessen wasserstoffblonder Freundin ziemlich einsam, besonders nachdem sein einziger Freund Sunny eines Tages wie vom Erdboden verschluckt ist. Die Freundschaft zum Nachbarsmädchen Rosa und ihrer Mutter Val, die Putzfrau in einem Bücherbus ist, gibt ihm Hoffnung und macht ihm Mut, sich gegen sein Schicksal aufzulehnen. Als alles drunter und drüber geht, machen sich Val, Rosa und Bobby gemeinsam mit dem sympathischen Outlaw Joe auf eine verrückte Reise mit Vals Bücherbus quer durch England. Im Gepäck haben sie nur das Nötigste: ihre Freundschaft und eine Menge guter Bücher.

Gebunden, 315 Seiten, Tropen-Verlag, LINK zu Amazon



Vorweg: Man erhält ein anderes Buch, als Klappentext und Cover es suggerieren. Und es ist auch keine fröhliche Reise mit einer Menge Bücher im Gepäck, sondern eine Flucht, eine Flucht vor Gewalt, vor Grausamkeiten, vor dem Leben, vor sich selbst. Es erinnert stark an "Thelma und Louise" und auch während des Lesens kommen einen immer wieder andere Romane und Geschichten in den Sinn. Das ist vielleicht auch beabsichtigt, werden doch regelmäßig die Klassiker wie Moby Dick, Von Mäusen und Menschen, Robin Hood, Der geheime Garten etc. erwähnt.
Die Charaktere sind liebevoll und charmant erzählt, die Sprache sehr lebendig und wohlklingend. Die Geschichte beginnt eigentlich mit dem Ende und erzählt, wie es dazu gekommen ist. Es erzählt von Liebe, Freundschaft, von Sehnsüchten und Träumen. Und leider auch von sehr viel grausamer Gewalt, die nur durch die charmanten Figuren und der schönen Sprache beim Lesen ein wenig abmildert. Der Roman wird in der Mitte ein wenig langatmig, das Ende ist vorhersehbar. Es ist unterhaltsam geschrieben, die Charakter hat man ein wenig lieb gewonnen. Einen großen Spannungsbogen kann man allerdings nicht erwarten.

 

Nickname 02.08.2017, 19.26 | (1/1) Kommentare (RSS) | PL

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