Ausgewählter Beitrag

Altersheim

Auf einer meiner Liebslingsblogs, bei Karin hier> habe ich nachträglich einen sehr ernsten Eintrag bzw. ein Gedicht über das Thema Altersheim gefunden. Das hat mich doch sehr nachdenklich gemacht und ich möchte meine Gedanken darüber aufschreiben. Normalerweise kommentiere ich direkt im entsprechenden Blog, da es Karins Eintrag ist, doch das Thema beschäftigt mich schon länger und ich finde es persönlich für mich als so wichtig, dass ich es in meinem Blog - auch als Erinnerung und zum Wiederfinden - hier kommentiere (Karin möge mir verzeihen):


Hallo Karin,
da ich im Urlaub war, habe ich diesen Beitrag nicht mitbekommen. Bei meiner nachträglichen Durchsicht deines Blogs habe ich ihn gefunden und mich sehr nachdenklich gemacht. Meine Oma, die vor 2 Monaten gestorben ist, lebte wegen Alzheimer im Altersheim. Die letzte Pflegestufe ist einfach furchtbar. Es gibt definitiv zu wenig Personal, die alten Leute sitzen oder liegen teilweise stundenlang alleine in ihren Zimmern. Ich war nicht oft da, weil meine Seele diese Atmosphäre nicht ertragen konnte.
Ich lebe mit meinen Eltern in einem Haus (ein Entschluss, den ich vor 6 Jahren getroffen habe, u.a. weil ich auch dachte, wer weiß, wie lange ich meine Eltern noch habe und ich kann ein Auge auf sie werfen, wenn es mal nicht mehr so gut läuft). Aber ich bin auch Einzelkind, ledig und ohne Kinder, das heißt für mich totale Einsamkeit im Alter und ausgeliefert sein den Behörden und Ämtern. Das macht mir manchmal Angst. Denn die Situationen und Zustände in den Altersheimen werden nicht besser. Deutschland entwickelt sich immer mehr vom Sozialstaat weg.
Solange man im Alter noch alle Sinne beisammen hat und nicht ganz bewegungslos ist, kann man durch eine gesunde Einstellung durchaus noch die schönen Seiten des Lebens abgewinnen. Trotzdem ist es nicht einfach, hier in unserer Gesellschaft alt zu werden. Dass dadurch viele alte Menschen verbittert werden, kann ich nachvollziehen. Ich denke, wir jüngeren oder auch vitaleren Menschen sollten mehr Verständnis dafür aufbringen, auch wenn es nicht immer leicht fällt. Alt wird jeder von uns, das Thema trifft also auch jeden von uns.

Nickname 16.09.2005, 08.58

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Kommentare zu diesem Beitrag

3. von MarieNrw

Zum Glück stellt sich bei mir die Frage nicht mehr, denn meine Eltern leben nicht mehr und denen blieb das erspart.
Ich hoffe, daß ich mal nicht von meinen Kindern abhängig werde.Meinem LG traue ich durchaus zu, daß er sich rührend um mich kümmern würde, ich mich auch um ihn.
LG Marie
Schönes WE :sonnig:

vom 17.09.2005, 15.43
Antwort von Nickname:

Es beruhigt einen doch, wenn man jemanden in der Not an seiner Seite hat, ob es nun tatsächlich so sein wird, ist eine andere Geschichte.


2. von Sabine

Ja, wenn wir glück haben und nicht jung sterben werden wir alle alt.
Aber auch wenn Du Familie hast, bist Du im Alter nicht unbedingt besser gestellt. Ich arbeite seit 5 Jahren in der häuslichen Pflege und habe naturgemäß es meistens mit älteren - alten Menschen zu tun. Du kannst Dir nicht vorstellen unter welcher Einsamkeit und Verwahrlosung viele meiner Patienten leiden. Sie werden von mir/uns aus dem Bett geholt, bekommen Frühstück, kein Mittag und am Abend gibt es Brot und fertig. Mitmenschliche Kontakte in 24 Stunden werden auf 1 Stunde reduziert.
Und bei dieser Schilderung denke ich traurig und wütend an 2 ganz bestimmte Menschen, die wirklich genug Geld haben und mal leckeres Essen von Bofrost oder Essen auf Rädern bestellen könnten. es macht so unheimlich wütend, auch weil mir die Hände gebunden sind.
Denke es ist im Leben sehr gut eingerichtet, dass wir nicht wisen was alles auf uns zukommt. :veraergert:

vom 17.09.2005, 08.48
Antwort von Nickname:

Ja, manchmal ist es besser, es nicht zu wissen. Aber ignorieren wäre auch falsch. Ich habe Hochachtung vor Menschen wie dir, die so einen Job machen und oft das Leid sehen müssen. Ich könnte das nicht.
1. von Karin

Ist vollkomen o.k., liebe Pat!

++++++++++++++++++++++++++++++++++++
Ich habe meinen Mann mal 14 Tage im Pflegeheim gehabt. Er saß im Rollstuhl,
alleine draußen!
Ich kamm von hinten ....
Da sah ich ihn, zusammengesunken, einsam und er erschien mir noch kleiner als sonst!
Ich kann nicht weiterschreiben....

vom 16.09.2005, 10.49
Antwort von Nickname:

ich drück dich gedanklich mal ganz fest



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